Sinnlich verwirrend und fremd verweigern sich die Objekte der koreanischen Künstlerin Younghun Lee scheinbar jeder Interpretation. Vielmehr lotet die Künstlerin auf eine sehr zeitgenössische Art und Weise die Grenzen der Plastik auf zahlreichen ästhetischen Ebenen wie dem Material, der Form bis hin zur Statik aus und lässt so Gebilde entstehen, die dem Betrachter den Raum für ein sinnliches Verwirrspiel eröffnen. Dies gilt insbesondere für die Arbeit „Gnade Dukis us F“. Younghun Lee brilliert in der Verweigerung jeglicher Zeichenhaftigkeit und verdeutlicht, wie Kunst über die sinnliche Wahrnehmung einen komplexen Begriff wie „Gnade“ erfahrbar machen kann.
[…]Die Weichheit der kissenartigen Form steht nun im Widerspruch zur schimmernden glatten Oberfläche und erinnert an die Ironie der Manga in der sich niedliche Gestalten oft mit größter Kampfeshärte in ein und derselben Figur vereinen. Die Widersprüchlichkeit von Material und Form spiegelt sich auch in der Statik des Objektes. Scheinbar in sich ruhend ist es in der Tat extrem instabil, denn es steht nur dadurch, dass beide Hälften auf kleinster Fläche ineinander verkantet werden.
Die Kunst der Verfremdung findet sich auch im Titel der Arbeit wieder: „Gnade Dukis us F“. Lautmalerisch ins Englische übertragen kommt man auf „do kiss us f(ather)“ und eröffnet sich hier verschiedene Möglichkeiten vom Kuss der Inspiration bis zur Gnade der Geborgenheit in der Umarmung Gottes.[…]
< Younghun Lee| 2. PREIS „Gnade>: Heidelberg, Kehrer Verlag, s. 12-13

Confusing to the senses and seemingly alien, artist Younghun Lee’s pieces apparently defy any attempt at interpretation. The artist tests the boundaries of sculpture on many aesthetic levels: from material, to form, to stability, and this in a very contemporary manner. She lets figures take shape that deliberately confuse the viewer standing in the artistic space. This is particularly true for her work “Gnade Dukis us F.” Young Hun Lee excels at rejecting any and all symbolism and makes clear, how art, perceived through the senses, can make a complex term such as “grace” part of the experience.
[…]The softness of the pillow-like form contrasts with the smooth, shiny surface and reminds one of the irony in manga, in which characters are often simultaneously cute and battle hardened. The contradiction of the material and form are also reflected in the stability of the object. Apparently resting peacefully, it is in fact quite unstable, only able to stand, because both halves are angled toward each other.                               The art of alienation is also present in the title: “Gnade Dukis us F.” Read phonetically, one arrives at “do kiss us f(ather),” which is open to interpretation, from a kiss of inspiration to the feeling of safety in the bosom and in the grace of God.[…]
 < Younghun Lee| 2. PRIZE „Gnade> : Kehrer Design Heidelberg,  p. 16-17